Empty CageVor einigen Tagen fand ich auf der Seite der Sueddeutschen einen sehr interessanten Artikel zum Thema Kreativität, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Der Artikel räumt mit zahlreichen Vorurteilen über Kreativität und Kreative auf und stellt folgendes klar:

  1. Kreative Menschen sind “normal”
  2. Kreativität lässt sich kaum messen
  3. Kreativität ist nicht trainierbar
  4. Brainstorming funktioniert nicht
  5. Kreativität ist harte Arbeit

Zwei Experten wurden zum Thema befragt, Sozialpsychologe Wolfgang Stroebe von der Universität im niederländischen Utrecht und Ernst Hany, Persönlichkeitspsychologe an der Universität Erfurt.

Wie funktionert Kreativität? Warum haben einige Menschen viel mehr gute Ideen als andere? Auch ich habe mich hier im Blog bereits mit dieser Frage und meinen Vorschlägen zur Verbesserung der eigenen Kreativität beschäftigt. Es ist ein schwierig bis gar nicht erschließbares Gebiet in unserem Gehirn und so kommen die Experten und auch der Autor des Beitrages der Sueddeutschen zu der Einsicht:

“Schöpferkraft lässt sich nicht messen, erlernen oder trainieren. Sie hängt von Beharrlichkeit und vom Zufall ab. Selbst Gruppen-Brainstorming ist wenig effektiv”.

“Kreativität lässt sich kaum messen…” – “Kreativität ist nur sehr bedingt trainierbar.”

Eine ziemlich ernüchternde Aussage für alle weniger kreativen Menschen, die gerne kreativer sein möchten. Noch viel ernüchternder dürfte diese Feststellung aber für den Berufsstand der Kreativitätstrainer und Coaches sein, die Ihnen in teuren Trainings die Methoden lehren, mit denen Sie selbst kreativer sein können. Häufig zielen diese Methoden darauf ab, möglichst viele Ideen zu produzieren in der Hoffnung, dass in der Masse der Ideen die eine oder andere gute dabei sein würde. Es existiert aber kein Rezept für Kreativität.

Dennoch müssen Sie nicht verzagen wenn Sie mit Ihrer Kreativität nicht zufrieden sind. Kreativitätsforscher sind überzeugt, dass sich die eigene Kreativität zumindest ein wenig fördern lässt. Das Zauberwort heißt “neue Denkstrategien“. Zusammendenken, was nicht zusammen gehört. Ein Beispiel: Sie sollen die Innenräume eines Supermarktes gestalten. Es kann hilfreich sein an andere Räume zu denken, die mit dem Zielobjekt nichts zu tun haben bspw. eine Behörde, ein Schwimmbad oder ein Pferdestall. Dann stellen Sie sich die Frage, welche der Elemente sich für einen Supermarkt sinnvoll nutzen lassen. Das Ziel der Technik ist es, das Bekannte zu entfremden und dadurch neue Perspektiven zu gewinnen.

Kreative Menschen sind ziemlich normal – sie gelten als fleißig, verträglich, gesellig.

Wer mit “Kreativen” zu tun hat, den überrascht diese Aussage vielleicht. Der typische Kreative, so wie man ihn sich vorstellt, ist metrosexuell, chic gekleidet, extrem extrovertiert – oder introvertiert, dann aber auch extrem – und hat irgendwie einen Knall. In den meisten Fällen sind das aber eher die Hollywood-Klischees. In Wirklichkeit sind es Menschen wie Sie und ich. Sie müssen nicht einmal überdurchschnitlich intelligent sein. Die Untersuchungen ergaben

“bei durchschnittlich begabten Menschen hängen Kreativität und Intelligenzwerte zwar relativ eng zusammen. Bei hochintelligenten ist das aber nicht so. Sie können sehr kreativ sein oder eben nur durchschnittlich kreativ”.

Ferner sind kreative Berufe nicht minder anstrengend. Sie sehen meist nur nicht so aus. Tatsächlich ist die verbreitete Meinung, das kreative Menschen Ihre Einfälle bei Bedarf aus dem Ärmel schütteln und dann den Rest des Tages die Beine hochlegen. Das Gegenteil ist der Fall. Tatsächlich ist es harte Arbeit eine gute Idee zu liefern. In der Regel ist es ein langer, steiniger Weg bis zu einer wirklich guten Idee. Der Eindruck des lockeren Lebens entsteht jedoch häufig, da der Mensch Ablenkung und Monotonität benötigt um seinen Geist wirklich frei an einer Idee arbeiten zu lassen. Ich habe zum Beispiel jeden Samstag morgen (im Sommer) die besten Ideen oder mir fallen beiläufig Lösungen zu Problemen ein – Samstag morgens wird der Rasen gemäht. Diese monotone Arbeit beschäftigt das Gehrin und gibt ihm die Freiheit sich ganz beiläufig und unterbewusst mit meinen Problemen zu befassen. Was für eine tolle Idee notwendig ist, lässt sich somit leider nicht genau feststellen. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, einfach eine Situation zu rekonstruiere, in der eine gute Idee entstanden ist und hätte daraufhin gleich die nächste. So einfach ist es aber wohl nicht, denn wenn Sie genau überlegen wie bei Ihnen eine Idee entstanden ist, werden Sie es nicht genau rekonstruieren können. Ideen entstehen in der Regel nicht Ad-Hoc und schon gar nicht wenn man es gerne hätte. Ideen sind ein Resultat von längerer Beschäftigung mit einem Thema. In vielen Fällen hat auch der Zufall eine gehörige Portion mitzureden.

Viele Köche verderben den Brei.

Dieses Sprichwort gilt auch für die Kreativität. Wolfgang Stroebe sagt, dass die geliebten Brainstormings überhaupt nicht helfen – im Gegenteil. Durch die Situation im Brainstorming mit mehreren Personen blockiert man seinen, ich nenne es mal, “Ideenflow”. Man wartet bis man mit seiner Idee an der Reihe ist, muss zuhören wenn andere etwas sagen und lenkt sich damit vom eigentlichen Prozess ab.

“Die Menschen glauben zwar, dass sie in der Gruppe mehr Ideen produzieren, also kreativer und einfallsreicher sind, doch das stimmt nicht”.

Seiner Meinung nach erzeugen Gruppen zwischen 20 und 50 % weniger Ideen als eine Person, die alleine über eine Idee nachdenkt. Und

“…dieser Produktivitätsverlust wird nicht durch eine höhere Qualität der Ideen ausgeglichen”.

Also zusammengefasst kann man sagen.

  • Man kann seiner Kreativität durch neue Denkansätze auf die Sprünge helfen aber wirklich trainieren kann man sie nicht. Jagen Sie also jeden zum Teufel, der Ihnen etwas anderes weiß machen will.
  • Durchschnittlich intelligente Menschen können kreativer sein als überdurchschnittlich intelligente Menschen. Klug heißt nicht automatisch kreativ.
  • Die kreative Arbeit ist harte Arbeit. Eine gute Idee ist meist nicht das Produkt einiger wenigen Augenblicke sondern tage- wochenlanger intensiver Beschäftigung.
  • Ideen hat man am besten alleine und bespricht sich später in der Gruppe – Revolution des Brainstorminggedanken.

Zum Abschluss noch ein Zitat von Ernst Hany:

“Die Wahrheit ist: Kreative Köpfe sind echte Malocher, die beharrlich an ihrem Projekt festhalten; die über Jahre eine Vision verfolgen; die nicht aufgeben, obwohl andere sie belächeln oder verspotten. Ihr Geistesblitz ist das Ergebnis harter Arbeit.” “Kreativität ist mehr als nur ein Aha-Erlebnis”.

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